Über Gletscher wandern, sich durchs Dickicht schlagen und selbst gefangene Forellen essen – „Du kannst da nicht einfach jemanden anrufen, den Notruf wählen, und wirst abgeholt – du bist auf dich gestellt.“ Tobias Schorcht ist hauptamtlicher Mitarbeiter im Bereich Kinder- und Familiensport im USV Jena. Er kam als Bewegungscoach zum Verein, betreut Ferienlager, koordiniert das Kinderschwimmen, plant und setzt Aktionen für Schulklassen um. Zuvor war er Lehrer für Geografie und Sport mit einem Angebot für eine gut bezahlte und sichere Stelle – die er jedoch ablehnte.
Dazwischen liegt ein Abenteuer, das seinesgleichen sucht. 2019 startete er seine Reise durch Patagonien, zu Fuß und mit dem Boot – 3000 Kilometer auf der Suche nach Wildnis und unberührten Landschaften. Patagonien liegt in Südamerika und erstreckt sich über Chile und Argentinien. Die Landschaft ist vielseitig. Von der ‚Pampa‘ und damit eher trockenen Gebieten, bis hin zu Regenwäldern über Gletschern finden sich hier verschiedenste klimatische Bedingungen. Insgesamt acht Monate war Tobias Schorcht unterwegs. Mehr als 240 Tage, an denen er, weitgehend auf sich gestellt, ohne Handyempfang, mit 30 Kilo Gepäck, Paddelausrüstung, verschwitzt und hungrig unterwegs war.
Was passiert, wenn ein Mensch so lang allein ist? Was er im Vorfeld als seine größte Angst beschreibt, wird später mit zum schönsten Teil seiner Reise. „Am Anfang war es schon schwer… Du kannst da nicht einfach jemanden anrufen, den Notruf wählen, und wirst abgeholt – du bist auf dich gestellt.“ sagt Tobias. Aber man lerne, mit der Angst umzugehen und taste sich langsam vor, feiere kleine Erfolge, wie den Weg ins nächste Dorf gemeistert zu haben. Das gebe Selbstsicherheit. Die Besinnung auf sich selbst nimmt er am Ende mit und versucht diese auch in Deutschland in Feriencamps an Kinder weiterzugeben.
Und obwohl er viel allein war, hat er im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Bekanntschaften machen können. Er erzählt von einer älteren Dame um die 70, die er an einem einsamen See kennengelernt hat. 50 km vom nächsten Dorf entfernt! Er saß dort und bereitete seine selbst gefangene Forelle zu, als sie plötzlich aus dem Gebüsch stolperte. Sie suchte ihre Kuh. Leider hatte auch Tobias sie nicht gesehen, konnte aber durch die Dame erfahren, dass sie vor Jahren die Forellen im See ausgesetzt hatte, die er nun aß. Später stellte sich heraus, dass die Dame Margareta heißt, eine lokale Berühmtheit ist und als Selbstversorgerin in den Bergen lebt.
Zurück in Jena war eine Rückkehr in den Schulalltag undenkbar. Zu starr, zu unflexibel, zu wenig Abenteuer. Beim USV Jena hätte er mehr Möglichkeiten, seine Werte zu vermitteln. In seinen Kursen und Camps möchte er die Begeisterung für Abenteuer an die Kinder weitergeben. Naturerlebnisse verbunden mit Sport sind für ihn Selbstwirksamkeit in höchster Form. In keinem anderen Bereich könnten Kinder sich selbst spüren und Verantwortung übernehmen. So fördert er Selbstkompetenz und Gruppenprozesse. Er regt die Kinder an, sich auszuprobieren, zusammenzuarbeiten, mutig und stolz auf das Erreichte zu sein. Er selbst geht auch noch gern für Mikroabenteuer in die Natur. „Ich übernachte mindestens einmal im Monat im Wald, ohne Handy. Das ist für mich auch weiterhin jedes Mal ein Abenteuer“, so Tobias.
Wer mehr über Tobias Schorcht und sein Reiseabenteuer erfahren möchte, sollte sich seinen Vortrag „Abenteuer Patagonien“ nicht entgehen lassen. Neben atemberaubenden Bildern und spannenden Anekdoten erwartet die Besucherinnen und Besucher Wissenswertes über Natur und Kultur sowie Motivation, die eigene Komfortzone zu verlassen.
Für USV-Mitglieder gibt es vergünstigte Tickets über die Plattform des Hochschulsports zu buchen. Die Veranstaltung findet am 03. Mai ab 19 Uhr im Hörsaal 2 in der Carl-Zeiss-Straße 3 statt.
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