1962, als gut behütetes Einzelkind in Rodewisch geboren, fiel sie als kleines und zierliches Mädchen schon früh durch ihre Lebendigkeit auf, so dass sie mit dem Beginn des Schulbesuches organisiert sportlich tätig war. Bis zur 10. Klasse besuchte sie die Turn-Arbeitsgemeinschaft der Schule. In den anderen Schulfächern hatte Ute besonderes Talent in der Mathematik. Ab der 11. Klasse kam sie auf Grund ihrer überdurchschnittlichen Leistungen in eine Spezialklasse für Mathematik und Naturwissenschaften an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt (heute TU Chemnitz). In dieser Schulzeit wohnte Ute im Internat, wo sie ihren späteren Ehemann Steffen kennen und lieben lernte.
Karl-Marx-Stadt gehörte damals zu den Leistungszentren, der sonst eher wenig bekannten Sportart Orientierungslauf (OL) in der DDR und einer von Utes Mathe-Lehrern war Bernd Döhler ein aktiver Orientierungsläufer. Auf einer Klassenfahrt organisierte er einen kleinen OL für seine Schüler, was ein Schlüsselerlebnis für Ute wurde, und was sie ein ganzes Leben nicht wieder losließ. Ihr Steffen, den sie beim OL gefunden hatte, bestärkte natürlich die Bindung an diese Sportart, die nicht nur körperlich alles forderte, sondern auch den Kopf stark benötigte. Bernd Döhler sorgte auch dafür, dass sich Ute bei der BSG Aufbau Karl-Marx-Stadt 1980 anmeldete.
Nach dem Abitur studierte Ute mit ihrem Mann Mathematik in Karl-Marx-Stadt. Als eine der besten Studentinnen bekam sie eine Auszeichnungsreise nach Vietnam.
1985 heirateten Ute und Steffen in Weimar, noch nicht wissend, dass sie bald ihren Lebensmittelpunkt im benachbarten Jena haben würden. Noch im letzten Studienjahr warb das Kombinat Carl Zeiss Jena um Fachleute und lockte mit dem Angebot, dass auch der Ehepartner eine Anstellung bekommen würde. Jena hatte Ute und Steffen als Stadt sehr gefallen und die Landschaft begeisterte sie schon damals, vielleicht, weil es in Jena eine OL-Gruppe bei der Universität gab. Besonders „lukrativ“ war das Stellenangebot von Zeiss aber auch, dass die junge Familie eine Einraumwohnung in einem Betriebswohnheim bekam. Eine Wohnung, in der DDR eine große Mangelware, wurde in Aussicht gestellt. Am 1. September 1986 reiste Ute in Jena an. Zu ihrer großen Freude begann sie in der Abteilung für die Entwicklung der Planetarien. Ehemann Steffen, der noch seine Diplomarbeit fertig stellen musste, bekam eine Promotionsstelle bei Zeiss. Ein halbes Jahr später kam Sohn Sören auf die Welt und ein Jahr darauf, nach vielen Beschwerden, erhielt die Familie Lösch 1988 in Winzerla eine „Zwei-Raum-Neubau-Wohnung“ durch die „Carl-Zeiss-Genossenschaft“. Da auch ein Krippenplatz für Sohn Sören vorhanden war, ging alles seinen „sozialistischen Gang“. Ihr erster größerer dienstlicher Auftrag führte Ute nach Helsinki, wo im Wissenschaftspark von Vantaa ein neues Planetarium aufgebaut wurde.
Wie bei fast allen „DDR-Bürgern“ warf die politische Wende in der DDR auch bei Löschs viele Fragen: Wie geht es weiter? Steffen war noch bei der Armee, der Ehekredit lief noch und Jeder hatte Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Die „Wende“ ermöglichte es aber auch, dass Löschs ins Kernland des OLs reisen konnten. Beide waren gleich nach ihrem Umzug nach Jena zur Hochschulsportgemeinschaft (HSG, heute USV) der Universität gegangen, wo es eine rührige OL-Gruppe gab. Gleich von Beginn an engagierten sie sich bei Organisationsaufgaben, so bei der Durchführung des 24-Stunden Ols.
Ute und Steffen behielten 1990 ihre Arbeitsplätze, wobei Steffen zur Jenoptik umstrukturiert wurde. Im Jahr 1991 wurde ein Wohnungstausch in einer schönen Vier-Raum-Wohnung möglich. Materiell und wohnungsmäßig gut abgesichert, entschied sich die Familie für ein zweites Kind. Susen wurde im August 1993 geboren.
Beruflich lief es für Ute ab Mitte der 1990er Jahre nicht so gut, was 2003 zum endgültigen Verlassen der Weltfirma führte. Sie arbeitete oft befristet in verschiedenen Firmen, u. a. in einem „Start up“ der Medizintechnik, wo auch Testmessungen des Blutdrucks vorgenommen wurden. Dabei stieß sie erst jetzt auf ihre sehr hohen Blutdruckwerte, die sie neben den bekannten überhöhten Colesterinwerten von ihrer Mutter geerbt hatte. Ein weiteres gesundheitliches Problem ereignete sich für Ute 2015 als sie nach einem Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule in Bad Berka operiert werden musste. Ihre letzte Arbeitsstelle war ab 2020 das „Internationalen Studienzentrum Thüringen“, wo sie als Lehrkraft für Mathematik ausländische Studierende unterrichtete.
Die ganze Zeit lief das ehrenamtliche Engagement der Familie Lösch in der OL-Abteilung des USV Jena weiter. Beide Kinder fanden schnell den Weg zu dieser schönen Natursportart. Utes Engagement wurde dadurch angeregt, zunehmend wurde sie zu einer versierten Übungsleiterin im Kinder- und Jugendsport, was mit dem Besuch vieler Weiterbildungslehrgänge verbunden war. Außerdem hatte Ute das Wettkampfmeldewesen der Jenaer Oler übernommen, was eine regelmäßige Präsenz bei den wöchentlichen Übungsstunden erforderte. Die Übungsleitertätigkeit von Ute wurde intensiver, als Sören aktiv am Training teilnahm und seine Freunde mit zum Training brachte. In der Folge entstand Mitte der 1990er Jahre eine sehr gute Kinder- und später Jugendgruppe beim USV Jena, die es vorher in diesem Umfang nicht gegeben hatte. Nicht zuletzt schuf Ute durch ihr Wirken im Hintergrund auch die Voraussetzungen dafür, dass ihr Ehemann zeitlich die Möglichkeit hatte, die Entwicklung des OLs im Verein, auf Landesebene und auch im Technischen Komitee, dem höchsten deutschen Gremium im Orientierungslauf, maßgeblich mitzugestalten.
Abgesehen von dem Zeitraum ihrer eigenen Krankheit war Ute auch selber noch aktiv. Sie betonte dabei aber immer, dass ihr der Erfolg ihrer Schützlinge der wichtigste Lohn ihres ehrenamtlichen Engagements sei. Mit je zwei Einträgen von Silber- und Bronzemedaillen bei Deutschen Meisterschaften in ihrer Altersklasse zwischen 1998 bis 2009 hat sie auch einen Anteil an der 143 Meisterschaftsmedaillen, die die Familie Lösch für den USV Jena sammelte. Familie Lösch ist damit wohl weit über die Grenzen Thüringens hinaus eine der erfolgreichsten Sportfamilien im OL überhaupt.
Diese Erfolge waren für Ute aber eher zweitrangig. Viel wichtiger war es ihr darauf hinzuwirken, dass ihre und andere Kinder mit viel Freude OL betreiben konnten. Sie unterstützte darüber hinaus auch diejenigen, die mehr als nur Spaß haben wollten und sich für den Leistungssport interessierten. So kam es, dass über die Jahre gerechnet mindestens sieben ihrer Schützlinge den Sprung ins deutsche Nationalteam schafften und für Deutschland international an den Start gingen. Den sportlichen Höhepunkt dieser Unterstützung markierten die „World Games 2022“ in den USA, als Utes Tochter Susen dort zwei achte Plätze erreichte.
Im Sommer 2021 wurde durch Zufall eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert. Nach verschiedenen Behandlungen wurde erst durch ein gerade neu zugelassenes Medikament die Krankheit gestoppt, sodass ihre zwischenzeitliche Genesung als ein medizinisches Wunder anzusehen ist. Umfangreiche Rehamaßnahmen und kontinuierlicher Muskelaufbau sorgten dafür, dass Ute ab Sommer 2022 wieder eine Stunde und mehr wandern konnte. Auch Radfahren und Schwimmen musste sie völlig neu erlernen. Sie nahm auch ihre Lehrtätigkeit am Internationalen Studienzentrum Jena wieder auf, musste sich aber Ende 2023 erneut einer Chemotherapie unterziehen. Bei einer der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wurden Ende 2025 erneut Metastasen gefunden, die trotz Behandlungsversuchen nicht zu stoppen waren.
Als Ute Anfang Februar 2026 bereits in der Klinik lag, haben ihr die ehemaligen „OL-Kinder“ einen Brief geschrieben. „…Wir denken oft an die schöne gemeinsame Zeit in den vielen Trainingslagern und bei den Wettkämpfen zurück…“ Als sie diesen Brief vorgelesen bekam, war sie tief gerührt und vergoss viele Tränen. Solch ein Brief war ihr ein besseres Dankeschön als jede Ehrenamtsauszeichnung.
Offizielle Ehrenamtsauszeichnungen gab es für Ute eine ganze Reihe. Die wertvollste Ehrung erfuhr sie auf dem Thüringer Ehrenamtstag 2017 vom Bildungsminister Herrn Holter. Bei dieser Gelegenheit ist die gesamte Familie Lösch ausgezeichnet worden. Die Urkunde enthielt damals folgenden Text: „Ute Lösch ist Mitglied der HSG Uni Jena/USV Jena seit 1987. Seitdem ist sie als Übungsleiterin und Meldeverantwortliche für Wettkämpfe tätig. Besonders von den Kindern und den neuen Mitgliedern wird sie gern als „Vereinsmama“ tituliert. Sie ist Mitglied im Trainerrat OL im DTB seit 2014.“
Mit Ute verliert die Abteilung OL eines ihrer engagiertesten Mitglieder. Aber Ute durfte in den letzten Jahren mit Zufriedenheit erleben, wie andere ihr Lebenswerk fortsetzen. Eine bessere Würdigung kann es nicht geben.
Text: Hans-Georg Kremer
USV-Archivar
Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Samstag, den 21. März um 10 Uhr in Jena auf dem Nordfriedhof statt. Bitte keine Trauerkleidung und auch keine Blumen- oder Geldgeschenke! Stattdessen Spenden für den OL, an den Förderverein des Carl-Zeiss-Gymnasiums oder für die Imaginata. Das hat sich Ute so gewünscht.
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