Mit großer Betroffenheit haben wir erfahren, dass Wilhelm Tell am 10. Dezember 2025 im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert der Universitätssportverein Jena eine prägende Persönlichkeit, einen engagierten Pädagogen und einen der maßgeblichen Gestalter des heutigen USV Jena.
Wilhelm Tell wurde in Weimar in eine ausgesprochen sportaffine Familie hineingeboren. Früh kam er mit dem Gerätturnen und dem Handball in Berührung. Prägende Einflüsse erhielt er unter anderem durch seinen Übungsleiter Werner Dohl sowie durch seine Schulzeit an der Schiller-Oberschule Weimar. Dort entwickelte sich – nicht zuletzt durch früh übertragene Verantwortung im Unterricht – sein Interesse an Methodik und Vermittlung sportlicher Inhalte.
Nach einem kurzen Maschinenbaustudium in Dresden entschied sich Wilhelm Tell bewusst für den pädagogischen Weg und begann in Halle ein Lehrerstudium für Sport und Biologie. Seine Examensarbeit über die „Laufwege beim Fußballspiel in der DDR-Oberliga“ zeugte bereits von seiner analytischen Herangehensweise an den Fußball und hätte ihm eine Karriere als Nachwuchstrainer beim Halleschen FC eröffnen können. Doch sein Wunsch, Lehrer zu sein, führte ihn nach Jena, wo er eine Stelle an der Ostschule annahm und sich gleichzeitig als Spieler und Übungsleiter bei Chemie Jena engagierte.
1972 wechselte Tell an die Kinder- und Jugendsportschule Jena und fand dort große Erfüllung in der Arbeit mit jungen Sportlerinnen und Sportlern. Aufgrund familiärer Umstände verlief seine berufliche Entwicklung jedoch nicht geradlinig. 1979 begann er seine Tätigkeit im Studentensport der Universität Jena an der damaligen Sektion Sportwissenschaft. Zunächst vielseitig eingesetzt, organisierte er mit großem Engagement den gewerkschaftlichen Betriebssport und entwickelte für Universitätsbedienstete umfangreiche Meisterschaftssysteme in verschiedenen Sportarten.
Ab 1983 war Wilhelm Tell federführend für den Fußball im Studentensport verantwortlich und gehörte zur erweiterten Leitung der damaligen Hochschulsportgemeinschaft (HSG), dem Vorläufer des heutigen USV Jena. Sein größter sportlicher Erfolg in dieser Zeit war der Einzug der von ihm betreuten Uniauswahl in die Endrunde der letzten DDR-Studentenmeisterschaften 1989, wo das Team erst im Elfmeterschießen gegen die Mannschaft der DHfK Leipzig unterlag.
Mit der politischen Wende 1989 begann eine neue, wegweisende Phase seines Wirkens. Wilhelm Tell wurde zu einem der zentralen Akteure beim Aufbau des „Jenaer Modells des Hochschulsports“. Auf Vorschlag von HSG-Geschäftsführer Eberhard Täubert übernahm er zunächst den Vorsitz des neu gegründeten Universitätssportvereins Jena (1992–1993) und war anschließend bis 2002 dessen Geschäftsführer. In enger Zusammenarbeit mit den Präsidenten Prof. Lutz Wenke, Prof. Karl-Ulrich Meyn und Prof. Rolf Steyer sowie weiteren Vorstandsmitgliedern entwickelte er den USV Jena zu Thüringens größtem Mehrspartenverein. Gemeinsam mit seinen hauptamtlichen Kollegen prägte er eine Struktur, die bundesweit noch heute Anerkennung findet.
Neben seinen organisatorischen und strategischen Leistungen blieb Wilhelm Tell stets dem praktischen Hochschulsport verbunden. Er war maßgeblich an der Neuaufnahme von Sportarten wie Tennis, Surfen und Ski Alpin beteiligt. Besonders der Fußball lag ihm am Herzen: Seine Teams erreichten dreimal die Vizemeisterschaft bei Deutschen Hochschulmeisterschaften und gewannen 1998 den DHM-Pokal.
Für seine außergewöhnlichen Verdienste um den Universitätssport und den USV Jena wurde Wilhelm Tell mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter die Ehrenmitgliedschaft des Vereins. Seit spätestens 1979 war er dem Studentensport und dem heutigen Institut für Sportwissenschaft eng verbunden – als Lehrer, Gestalter, Vorsitzender, Geschäftsführer und Abteilungsleiter Fußball.
Der USV Jena dankt Wilhelm Tell für sein langjähriges, außerordentliches Engagement, mit dem er die Entwicklung des Vereins über viele Jahre entscheidend mitgestaltet hat. Sein Wirken wird im USV Jena in dankbarer Erinnerung bleiben. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen.
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